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Hier findest du Beiträge über alles Gestalterische, das mich fasziniert, wie zum Beispiel verschiedene Arten der Fotografie, Experimente und Geschichten, die ich aus meinen Arbeiten mitnehme, sowie Gedanken, die ich gerne festhalten möchte. Außerdem beschäftige ich mich auch mit der technischen Seite der Fotografie, es gibt also auch Beiträge zu Kameras und Objektiven.
Brenizer-Methode mit analogen Objektiven
Das Mittelformat
Die Brenizer-Methode oder auch Bokeh-Panorama genannt ist allgemein als Technik bekannt, mit der man den Look von Mittelformatfotografien auch mit Kleinbildkameras, theoretisch sogar mit APS-C-Kameras erreichen kann.
Dieser Look zeichnet sich nicht nur durch die typischen Seitenverhältnisse von 6x6, 6x7 oder 6x9 aus, sondern auch durch die enorme Unschärfe, selbst bei höheren Blendenzahlen.
Warum das Mittelformat so viel schöne Unschärfe darstellen kann, liegt vor allem an der Größe des Negativs beziehungsweise Sensors, der mit 60x70 mm deutlich größer ist als der des Kleinbilds mit 24x36 mm. Das bedeutet, dass man mit einer Vollformatkamera, wenn man ein Foto mit demselben Bildausschnitt wie mit einer Mittelformatkamera machen möchte, sich entweder deutlich vom Motiv entfernen oder eine niedrigere Brennweite, also ein Objektiv mit mehr Weitwinkel, nutzen muss. Dadurch wird entweder die Unschärfe reduziert oder der Ausschnitt so weit dargestellt, dass nicht genug vom unscharfen Hintergrund zu sehen ist.
Umgekehrt muss man mit einer Mittelformatkamera eine längere Brennweite einsetzen oder näher an das Motiv treten, was zu mehr Tiefenunschärfe führt.
Umsetzung und Praxis
Wie erreicht man nun dieses Look und wie sieht das in der Praxis aus? Wir vergrößern unseren Sensor, indem wir von derselben Position aus mehrere Fotos aufnehmen und, wie der Name Bokeh-Panorama schon sagt, daraus in Lightroom oder Photoshop ein Panorama erstellen. Mit einem Stativ können wir eine Ausgangsposition wählen und von dieser aus beliebig viele Fotos nach links, rechts, oben oder unten aufnehmen, um so unsere Bildfläche zu vergrößern.
Die Bilder sollten sich immer ausreichend überlappen, sodass die Bearbeitungssoftware genügend Anhaltspunkte hat und alles sauber ineinandergreifen kann. Es gibt Stative mit Skalen, ich empfehle jedoch, einfach das Raster im Sucher der Kamera einzuschalten und sich von Rasterstrich zu Rasterstrich entlang-zuarbeiten. So kann man beliebig viele Bilder machen und es auch einmal übertreiben, wie unten gezeigt.
Analoge Objektive
Soweit so gut, der Look ist also mit etwas Übung relativ einfach hinzubekommen und wenn man seinen eigenen Workflow für die Umsetzung gefunden hat, zuverlässig Reproduzierbar.
Neben der Anzahl der Bilder und welche Blende man verwendet, gibt es aber noch einen sehr entscheidenden Faktor der das Bild und auch die Entstehung maßgeblich beeinflusst: Die Wahl des Objektivs.
An Brennweite und Blende kann und sollte sich jeder selbst herantasten, aber ich empfehle auf analoge Objektive zu setzen, da sie zum einen deutlich mehr Charakter in das Bild bringen können und sie um ein vielfaches leichter sind als moderne Objektive mit elektronischer Blendensteuerung, Autofokus und Bildstabilisierung.
Da die Fotos sowieso auf dem Stativ aufgenommen werden und sich der Fokuspunkt bei allen Bildern nicht ändert, kann man sehr gut auf Autofokus und Bildstabilisierung verzichten, dank Manual Fokus Peaking ist es kinderleicht, das Objektiv Scharfzustellen und falls nicht vorhanden, kann man sich auch einfach Zeit lassen, schnelle Motive, kann man so sowieso nicht festhalten.
Nun möchte ich noch den Unterschied des Looks zwischen einem modernen Objektiv und einem analogen Objektiv deutlich machen. Als Vertreter des modernen Objektivs habe ich das Sigma 50mm f/1,4 DG HSM Art gewählt. Es ist zwar schon etwas älter, gilt aber als nahezu perfektes Objektiv.
Das Minolta MC Rokkor-PF 55mm f/1.7 habe ich ausgewählt, da es eine ähnliche Brennweite und Blende besitzt, sich aber in der Darstellungsweise, vor allem im Bokeh und in der Schärfe, deutlich vom Sigma unterscheidet.
Im direkten Vergleich fallen direkt große Unterschiede bei der Schärfe und dem Aussehen der Bokehlichter im Hintergrund auf. Das Sigma zeichnet perfekt runde und gleichmäßige Bokehlichter, während das Minolta eher unregelmäßige Formen und Lichter erzeugt und sogar ein Swirly Bokeh, also eine Art Strudel, entstehen lässt, fast wie beim berühmten Helios 44-2 58mm. Außerdem ist das Minolta deutlich weniger scharf, das Bild ist also etwas weicher.
Was man bevorzugt, ist natürlich Geschmackssache, aber ich finde, gerade Aufnahmen, die das Mittelformat imitieren sollen, profitieren enorm von diesen Charakteristiken. Zudem eröffnen sich so weitere Möglichkeiten, ein wirklich einzigartiges Bild zu erzeugen, denn analoge Objektive unterscheiden sich mitunter sehr stark in ihrer Darstellung und ermöglichen es einem, einen ganz bestimmten Look zu kreieren.
Was den Look hingegen nur indirekt beeinflusst und eher mit der Aufnahmetechnik an sich als nur mit der Verwendung alter Objektive zu tun hat, ist der Zeitaufwand. Für ein Bild braucht man schnell einige Minuten und nicht wie sonst nur ein paar Sekunden. Natürlich bedeutet es nicht automatisch, dass etwas gut wird, nur weil man lange dafür gebraucht hat. Mit dieser Fototechnik wählen wir erst ganz bewusst unseren Bildausschnitt, stellen dann die Kamera mit dem Stativ genau ein, müssen unsere Einstellungen und die Schärfe gut überdenken und nehmen dann über mehrere Minuten hinweg mehrere Bilder auf.
Es lässt sich also festhalten, dass die Brenizer Methode beziehungsweise das Erstellen von Bokeh Panoramen einige tolle Möglichkeiten birgt, sich fotografisch auszudrücken, vielleicht auch Dinge spannend in Szene zu setzen, die sonst normal wirken würden, und das Potenzial hat, einen zu einem geduldigeren und bedachteren Fotografen werden zu lassen, wenn man sich darauf einlassen möchte und seine Freude daran findet.
